Die SPD in Bergedorf

3. - 8. Mai 2010: Gerhard Lein berichtet aus Danzig

Am 3. Mai starteten 26 Reiselustige, die meisten aus Bergedorf und fast alle in der SPD, gen Danzig.
Die Reisegruppe aus Bergedorf in Danzig
Besuch im Dom von Oliva
Denkmal "Westernplatte"
Malborg, früher Marienburg
Führung durch die größte Festung des deutschen Ritterordens
Mittelalterliche Küche
KZ Stutthof: Von woher die Häftlinge kamen
KZ Stutthof: Tor ohne Rückkehr
KZ Stutthof: Ein junger Zivieldienstleisternder aus Österreich führt durch das Lager, neben ihm (re.) der vorzügliche Reiseleiter des Tages
Dieser Erinnerungsstein an die Flucht über das gefrorene Haff vor dem Frauenburger Dom steht erst seit einigen Jahren
Nikolaus Kopernikus (1473-1534) machte Schluss mit dem geozentrischen Weltbild des Ptolemäus. Er forschte und lehrte als Domherr in Frauenburg bis ins hohe Alter.
Der 5. Reisetag steht ganz im Zeichen der polnischen Arbeiterbewegung und der aktuellen Politik. In Gesprächen und Diskussionen erfahren wir viel über Solidarnosc.
Bogdan Olscewski, Sekretär der Gewerkschaft in der Danziger Zentrale, wird vorzüglich übersetzt von Elzbieta Rokicka, der Danziger Freundin von Jutta Behncken, einer unserer Mitreisenden.
Bernd Steinheimer beteiligt sich an der lebhaften Diskussion.
Denkmal für die ermordeten Arbeiter der Aufstände von 1970, errichtet 1980.
Fotos der beim Flugzeugabsturz von Katyn umgekommenen Repräsentanten des Staates am Fuße des Solidarnosc-Denkmals.
Dr. Jacek Koltan vom Europäischen Institut der Solidarität in Danzig.

Erster Reisetag - 3. Mai 2010

Regen, Regen, Regen.
Im hoch bequemen Reisebus merken wir 26 Genossinnen und Genossen das schlechte Wetter nicht - außer, dass leise die Scheibenwischer surren. Fahrer 2 wird in Rostock abgelöst und fährt im Zug nach Hamburg zurück. Fahrer 1, der uns die ganze Reise begleiten wird, übernimmt. Er auch ein Bergedorfer, besser Lohbrügger (genauer Boberger) Mitbürger. Wir kommen schnell ins Gespräch. Was, ehemaliger Schulleiter der Gesamtschule Lohbrügge sind Sie? Da gingen doch meine beiden Töchter hin...
Angeregt unterhalten wir uns auf wechselnden Plätzen.

  • Sieben von uns waren am Freitag letzter Woche bei der Auftaktveranstaltung von "Chancen für alle - die Schulverbesserer" in der Kampnagelfabrik. Blick nach vorn: Wir werden das schaffen! Austausch über die Perspektiven.
  • Zwei ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete reden mit dem aktiven über die frühere Fraktionsarbeit. Blick zurück: Kennst du noch den? Und über das Trauma des Hamburg-Blocks, als die Sozis von den Bürgerblock-Parteien abgelöst wurden, die das zwei Jahre längere gemeinsame Lernen gleich einkassierten.
  • Polen hat kaum Autobahnen - jedenfalls keine auf der Strecke Stettin - Danzig. Wie gut, dass heute Feiertag ist. 3. Mai, Verfassungstag - Lastwagen-frei auf den Straßen. Zur Erinnerung an die 1. Verfassung von 1791. (vier Jahre nach der amerikanischen und vier Wochen vor der französischen.) Die Nachbarländer beantworteten das gleich mit der Liquidierung Polens. Das Land wurde 1792 aufgeteilt zwischen Preussen, Russland und Österreich. 1792 gleich noch mal und etwas intensiver. 1795 dann komplett. So wollte man die aufkeimende  "französische Pest" in Polen gleich mit Stumpf und Stiel vernichten. Kam dann 1939 die vierte Teilung Polens zwischen der Nazi- und der Bolschewiki-Diktatur hinzu, nach kurzer Staatlichkeit zwischen den Weltkriegen. Da kann man einiges verstehen über die polnische Mentalität und ihr Misstrauen gegenüber den mächtigen Nachbarn.

Abends um 20 Uhr im Hotel. Empfangen von Elzbieta-Lili und einer weiteren Bekannten einer unserer Mitreisenden. Deutschsprachige Minderheit.  Gleich für Mittwoch verabredet für die Fahrt zur Marienburg.
Wunderbares Essen. Schnell ins Bett. Morgen geht das Programm mit dem Besuch der Gedenkstätte Westernplatte los.

Zweiter Reisetag - 4. Mai 2010

Heute besuchen wir die Dreistadt Danzig, Gdingen, Zopot. Kaltes Wetter, aber kein Regen und ab und an sogar ein Sonnenstrahl. Unsere Reiseführerin, studierte Ingenieurin für Korrosionstechnik, erklärte uns erst einmal, dass Danzig durch den Nazi-Krieg zu über 50% und durch die russische Besetzung dann bis zur 90%-Grenze zerstört worden sei. Die Vertriebenen aus Polens Osten -  dieses Land hatte ja die Sowjetunion für sich reklamiert und ohne die Polen zu fragen auch erhalten, kamen in großer Zahl in die Stadt. Es musste schnell aufgebaut werden. Dennoch: Wie auch anderswo in Polen, es war eine Frage der nationalen Ehre, die zerstörten Häuser im Altstadtkern möglichst originalgetreu wieder auf zu bauen. Sagte unsere Stadtführerin: Was Sie sehen, ist also gar nicht alt, sondern zeitgenössisch, also „Disney-Danzig“.   Der Dumont-Reiseführer schreibt „Freilichtmuseum“. Wir widersprachen nicht – stimmt ja irgendwie, aber wollten schon ergänzen: So unglaublich sorgfältig wieder aufgebaut, dass Disney despektierlich klingt. Wir sehen es als Zeichen polnischen Ehrgefühls, den zerstörten Städten wieder ein Gesicht zu geben.

Als allererstes hörten wir ein Orgelkonzert im Dom von Oliva, man sagt, dort sei eine der größten Orgeln der Welt. Als wir eintreffen, findet gerade eine Messe zur Erinnerung an den Frieden von Oliva vor 350 Jahren statt, als Polen und Schweden sich aussöhnten und den zweiten Nordischen Krieg beendeten. Großes Ereignis: Erzbischof, massenhaft Taläre, schöner Gesang.  Sagte einer von uns: „Dass wir Sozis als erstes in eine katholische Messe gehen, hätte ich nicht gedacht“ – und nahm an der Messfeier teil.

Hafen von Oliva mit dem auch bei uns von vielen Hafengeburtstagen bekannten Segelschiff „Dar Pomoza“ (als Prinz Eitel Friedrich bei Blohm und Voss gebaut), die eindrucksvolle Mole von Zopot, Blick auf das Denkmal der „Westernplatte“, deren Beschuss durch das deutsche Kriegsschulschiff „Schleswig-Holstein“  den Überfall auf Polen.  Dann vorbei an der früheren Lenin-Werft mit dem Solidarnosc–Denkmal. Da werden wir uns am Freitag länger aufhalten.

Um 15 Uhr stellen wir den Bus ab und gehen zu Fuß in die beeindruckende Altstadt, voll von Touristen. Langgasse, Marienkirche, Krantor …..

Rechtschaffen müde, zwei Stunden später als gedacht, kommen wir ins Hotel; gutes Abendessen, dann Kino: Der vor Tagen bei Sat 3 ausgestrahlte Film „‘Für Danzig sterben?‘ – Warum Danzig Schauplatz folgenreicher Ereignisse wurde“ lässt uns beeindruckt zuschauen. Gerade wenn man am Tage an vielen Orten war, die im Film jetzt oder in früherer Zeit gezeigt werden, macht der Inhalt besonders nachdenklich.

Dritter Reisetag - 5. Mai 2010

Sonne, Sonne, Sonne.

Heute Morgen nach Malbork, früher Marienburg, der größten Festung des Deutschen Ritterordens. Imposantes Bauwerk, beachtliche polnische Restaurierung nach den Kriegszerstörungen durch sinnlose deutsche Verteidigung 1945. Leider bleibt die Schlossführung im Oberflächlichen verhaftet. Die Rolle des Ordens, die durchaus unterschiedlichen Sichtweisen von polnischer bzw. deutscher Seite, die besonders dunkle Seite der ideologischen Instrumentalisierung durch die Nazis bleiben nicht angesprochen bzw. unklar. Aber immerhin kann man sich an der Restaurierungskunst heutiger Bauleute ergötzen (ungesicherte Dachdecker auf dem hohen Giebeldach machen unserer Genossin Sicherheitsbeauftragter in einer großen Hamburger Firma zu schaffen). Und die Kunst, in einer mittelalterlichen Küche täglich tausende von Menschen zu verpflegen, löst auch Erstaunen aus. Ganz zu schweigen von der Kunst der Heizungsbauer, in deren Genuss seinerzeit aber auch nur die Hochwohlgeborenen kamen.

Der Nachmittag galt dem individuellen Bummeln in der Stadt. Und am Abend gab’s erneut eine DVD–Projektion über die Zeit des Kriegsrechts in Polen und die Auseinandersetzung zwischen dem Arbeitsführer Walensa und dem Staatschef General Jaruselski in den 80er Jahren. Gute Vorbereitung auf unsere Gespräche am Freitagmorgen.

Vierter Reisetag - 6. Mai 2010

Kalt, kalt, kalt.

Mit Temperaturen von nur 6°C (gefühlten -1°) machten wir uns früh auf den Weg, zunächst zur  Gedenkstätte des KZ Stutthof.  Auf dem Wege zeigt uns der Reiseleiter eine kleine Dorfkirche, in der wir ein Beispiel der polnischen Volksfrömmigkeit kennen lernen.

Als geschichtsbewusste  Sozialdemokraten wissen wir viel über das Unterdrückungssystem der Nazis, denen gleich zu Beginn viele Sozialdemokraten zum Opfer fielen. So auch hier. Gleich nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde dieses Lager dicht bei Danzig – aber doch fern genug - im Wald der Frischen Nehrung errichtet.  Die Opposition aus Danzig, Kommunisten und Sozialdemokraten, wurden sogleich dorthin verschleppt. Andere missliebige Gruppen folgten, in sehr großer Zahl auch Juden – nicht nur aus Polen. Wenn man sich die akribisch geführten Listen der SS ansieht, dann wird einem noch heute schlecht von der Akribie, mit der diese Vernichtungsmaschine betrieben wurde.  Von den über 100.000 Häftlingen haben weit mehr als die Hälfte nicht überlebt. Damit sie bei Kriegsende nicht den Sowjets in die Hände fielen, wurden die Insassen ab Januar 45 „evakuiert“, z.T. unter Maschinengewehrfeuer in die Ostsee getrieben, auf Märschen ohne Verpflegung in den Schnee geschickt, schließlich z.T. auf Schiffen in die westliche Ostsee verbracht.  Was uns als Hamburger besonders berührt: Das Gas für die über 1000 Vergasungen kam von der Hamburger Firma Tesch&Stabenow (Erinnerungstafel am Hamburger Messberghof).  Und: Der Lagerkommandant Max Pauly (April 1940 bis Ende 1942) wurde anschließend Kommandant des KZ Neuengamme, wo er den Befehl zum Mord am Bullenhuser Damm gab. Zur Todesstrafe im sog. Curiohaus-Prozess verurteilt für seine Verbrechen in Hamburg, wurde er von den Briten gehenkt. Seine Rolle in Stutthof blieb ungesühnt und im beginnenden Kalten Krieg auch unaufgearbeitet.

Aufgewärmt bei einer Tasse Kaffee im Bus sitzend erfuhren wir, dass die Fähre, mit der wir von der Nehrung nach Frauenburg übersetzen sollen, ihren Betrieb wegen Sturmes eingestellt hat.  Krynica Morska (Kahlberg) mit dem höchsten Sanddünenberg der Nehrung ist unsere nächste Station. Dort schauen wir auf die windkalte Ostsee-Seite, kehren schnell um, essen Fisch, sehen unser fest vertäutes Schiff und runden jetzt im Bus sitzend das Frische Haff, um den gerade noch geöffneten Dom von Frombork zu besichtigen. Gewaltiges Bauwerk. Unser Reiseführer lässt uns kurz anhalten, um den seit einigen Jahren stehenden Gedenkstein über Opfer der Winterflucht übers gefrorene Haff zu zeigen. So ein Stein, sagt er uns, hätte ohne die öffentliche Aufarbeitung dieser Ereignisse, auch z.B. durch den Filmdreiteiler „Die Flucht“, nicht gesetzt werden können. Und vor dem Fall des Kommunismus schon gar nicht.

Heftiger Regen hat eingesetzt. Wir verzichten auf die Zu-Fuß-Besichtigung von Elbing; fahren dafür mit dem Bus durch die Stadt, die seit Weltkriegsende ihren Zugang zu Meer und damit den bedeutenden Hafen und schließlich auch die weltbekannte Schichau-Werft verlor. Die Sowjetunion war jetzt Herr des Haff-Zugangs bei Pillau und der Handels-Verkehr nahezu vollständig unterbunden. Aus Pillau wurde Baltisk und Kriegshafen und Sperrgebiet, letzteres bis heute. Ganz anders als Danzig wurde die Stadt nach dem Krieg nicht historisierend wiederaufgebaut. Erst jetzt beginnt man mit der Rekonstruierung von Innenstadtteilen, wie uns erläutert wurde.

Besonderen Applaus erhielt unser Reiseführer Herr Fifielski, früherer Geografielehrer und Deutsch-Autodidakt, für die Vermittlung seines umfangreichen Wissens, seine Sprachgewandtheit auch im ostpreussischen Dialekt und seinen Humor.

5. Reisetag - 7. Mai

Nebel, Nebel, Nebel

Mit dem Bus geht’s zur Lenin-Werft, genauer die traurigen Reste dieses einstmals gewaltig großen Industriebetriebs mit seinen früher 20.000 Beschäftigten, von denen heute kaum 3.000 übrig geblieben sind. Industriebrache also. Aber historischer Ort, der den Abschied von der kommunistischen Zwangsherrschaft im Sowjetsystem nachdrücklicher symbolisiert wie kaum ein anderer.

Der Reihe nach:

Besuch im Zentralbüro der Gewerkschaft Solidarnosc. Der Sekretär war uns vom Danziger Rathaus benannt worden als authentischer Vertreter dieser großen Gewerkschaft. Bogdan Olszewski hatte englisch geantwortet auf die Frage nach einer Begegnung. Wir hatten das Glück einer guten polnisch-deutschen Dolmetscherin. 

Es ist schon etwas anderes, über den Zusammenbruch des kommunistischen Polen zu lesen oder einen Film zu sehen, als mit einem direkt Beteiligten zu sprachen. Olszewski gehörte zu den Leuten, die damals ein Untergrundradio betrieben, die konspirativ daran arbeiteten, die Allmacht der kommunistischen Diktatur zu brechen. Seine Schilderungen, knapp und ohne Pathos, waren eindrucksvoll. Jetzt ist er Sekretär einer der polnischen Gewerkschaften. Tagesgeschäft: Arbeitslosigkeit, Probleme mit der Gewerkschaftsvertretung vor Ort, Sorgen und materielle Not der Rentner. Sie fühlen sich als Angehörige der Generation derjenigen, die die Freiheit wieder nach Polen gebracht haben, nicht gerecht behandelt. Wir lebten zwar auf niedrigem Niveau, aber wir hatten Arbeit, sichere Gesundheitsvorsorge, kostenlose Schulen. Es war schlecht, aber für alle. Wir Arbeiter haben die Freiheit und Anerkennung unabhängiger Gewerkschaften erreicht, sind aber jetzt arbeitslos. So die Originaltöne.

Wir erfahren etwas über die Organisationsstruktur der Gewerkschaft. Und wir werden nachdenklich, als wir auf die Frage nach dem engen Verhältnis zwischen Solidarno?? und Kirche die Antwort erhalten: So steht es in unseren Statuten. Und: Die Arbeiter haben während der Streiks die heilige Messe verlangt.

Und auf die Frage, wo sich die Solidarnosc beim Wahlkampf um das Präsidentenamt verortet, erhalten wir ganz schlicht die Antwort: Tusk mag uns nicht, auch wenn er selbst mal in der Solidarnosc war.

Gleich auf der anderen Seite des großen Denkmals der Getöteten der Eingang zum Werftgelände. Im denkmalgeschützten Haus der Direktion jetzt – provisorisch - das vor zwei Jahren gegründete Europäische Zentrum der Solidarität. Ein staatlich finanziertes Institut zur Pflege des Erbes der Solidarnosc-Bewegung, für internationale Kontakte. Mitarbeiterzahl ca. 50. Eine beeindruckende Bilanz von nationalen und internationalen Veranstaltungen wurde uns in einer schnellen Präsentation von einem jungen Mitarbeiter (Referent für Wissenschaft und Edukation) vorgestellt. Er sprach akzentfreies Deutsch, hatte sechs Jahre in Berlin studiert/promoviert und bezeichnete sich jetzt als schon halber Deutscher.

Mitgebracht hatte er eine junge Austauschstudentin der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder, die uns über ein gerade abgeschlossenes Projekt mit jungen Leuten berichtete.

Dr. Koltans Bemerkungen über die Rolle der seinerzeitigen kommunistischen Gewerkschaften: Damals hätten sie sich in einem Monat demokratisiert, und weil sie erfahrenes, einflussreiches Personal hatten, gewannen die Funktionäre auch schnell  wichtige Rollen in der Wirtschaft. Heute indes seien die beiden großen Gewerkschaftsblöcke Polens demokratische Institutionen.

Gefragt nach den Präsidenten-Wahlen im Juni zwischen Bronislaw Komorowski (Bürgerplattform) und Jaroslaw Kaczynski (Partei Recht und Gerechtigkeit / PiS): Vor einem Monat noch hätte er Jaroslaw Kaczynski keinerlei Chance eingeräumt. Derzeit sei die Lage jedoch sehr unübersichtlich. 

En spannender Morgen, nachmittags etwas Ruhe und abends in die Baltische Oper zu einer deutschsprachigen Aufführung der Zauberflöte. Sehr frische Inszenierung, Unser freundlicher Busfahrer fuhr uns hin und holte uns wieder ab, weil’s regnete. Viele junge  Leute unter den Besuchern. Genaue Zeitkalkulation war nötig, damit die Ruhezeit eingehalten wird, wenn wir morgen früh wieder gen Westen aufbrechen.

6. Reisetag - 8. Mai - Rückfahrt

Sehr früh auf. Als Reiseleiter muss ich auch die gesetzlichen Fahr- und Ruhezeiten für Busfahrer im Blick haben. Die Harmonie mit unserem Fahrer vom Reisering ist indes vorzüglich. Freundlich, alles Wichtige im Blick habend, wenig „Volksunterhaltung“ und doch mit kleinen Ritualen (nachdenklicher machender Morgenspruch, musikalisches Abschlussritual am Ende des Fahrtages) ist der ideale Fahrer für unsere Gruppe.

Nach gutem Frühstück zurück auf die lange Strecke. Polen hat im Norden zwar gut ausgebaute Straßen, aber keine Autobahnen, so dass die Duchschnittsgeschwindigkeit eher bei 70km/h als bei 90 km/h liegt. Dafür dann aber immer wieder Blicke in kleine Städte und Dörfer. Viele Storchennester. Bedeckter Himmel, ab und an Schauer, so geht’s bis Hamburg. Heißer Kaffee an Bord, mittags auch heiße Würstchen oder Suppen, wir machen alle zweieinhalb Stunden eine ausgiebige Pause, so dass die blitzblanke Bordtoilette im Bus kaum genutzt werden muss.

Viel geht durch den Kopf. War alles gelungen? Gab es Teilnehmer am Rande, oder waren alle gut eingebunden? Unterdes geht das Buch „Viva Polonia“ wie schon all die Tage weiter herum, in dem Autor Stefan Möller kurzweilig seine Eindrücke als deutscher „Gastarbeiter“ in Polen beschreibt und polnische Mentalitäten liebevoll charakterisiert und karikiert.  Empfohlen worden war es uns beim Abend mit der deutsch-polnischen Gesellschaft vor der Reise. Am letzten Tag vor Abreise kam es per Post mit freundlichen Grüßen des Polnischen Generalkonsuls in Hamburg bei mir an.

An der ersten Raststätte in Deutschland gleich das Abendblatt gekauft. Es geht genauso wie die Morgenpost von Hand zu Hand. Wir waren in Danzig TV-mäßig auf RTL und N 24 reduziert (wenn man nicht, wie ich, nachts die Zeitungen im Internet las). Da war das Informationsbedürfnis für uns natürlich groß. Wir hatten ja von der Hausdurchsuchung bei Senator Frigge gehört und auch der St. Pauli–Aufstieg hatte uns in Polen erreicht. Schließlich noch mal ein lebhafter Austausch über den Volksentscheid zur Primarschule.

Pünktlicher Fahrerwechsel in Rostock, Abschiedsreden, Verabredungen für ein Nachtreffen mit Bildern und Erinnerungen, Anregungen für eine Fahrt im kommenden Jahr. Prag? Wien? Budapest? Brüssel? Wir werden sehen.

Die vier Hamburger Mitfahrer verlassen uns am großen ZOB – nicht ohne sich für die freundliche Aufnahme bei den Hamburger „Landgebietlern“ bedankt zu haben. Wir steigen am Ramada-Hotel in die verschiedenen aus dem Bus heraus vorbestellten Taxen.

Um halb neun ein Anruf vom Busfahrer: Mütze im Bus gefunden. Mal sehen, wer sich meldet.

 



Termine

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26. Februar - 26. März

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01. März um 19:00
03. März um 18:00
04. März um 16:00

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