Die SPD in Bergedorf

Reisebericht über die SPD-Reise nach Wien

Wiener Rathaus am Vorabend zum 1. Mai
Rathaus-Empfang am Vorabend des 1. Mai
Mai-Demo des 7. Bezirks
Traditionsfahnen bei der Maidemo
Maidemo, Umzug
Maidemo vor dem Rathaus
SPÖ-Vorsitzender Werner Häupl
Bundeskanzler Werner Faymann
Bergedorfer GenossInnen auf der Tribüne
Hrdlitschka-Denkmal für die Faschismus-Opfer
Hrdlitschka-Denkmal für die Faschismus-Opfer
Karl-Marx-Hof
Sitzungssaal der SPÖ
Vorwärtsgebäude, im Adlersaal
Zentralfriedhof: Kreisky-Grab
Museumsquartier
Klimt im Leopoldmuseum
Mozartkonzert im Brahmssaal des Musikvereins
Parlament: sachkundige Führung im Plenarsaal
Bundesadler mit zerbrochener Kette
Hundertwasser-Haus
Blick vom Kahlenberg auf Wien, mit Turm des Hundertwasser-Heizkraftwerks

(Bericht: Renate Maekel, Fotos: Dieter Bettels und Gerhard Lein). Am 29. April 2012 starteten 23 Genossen und Freunde der SPD Bergedorf, nun schon zum 3. Mal unter Gerhard Leins Leitung, in eine Metropole in Europa; nach Danzig und Prag ging es 2012 nach Wien, eine Stadt etwa so groß wie Hamburg gemessen an der Einwohnerzahl. Das Ziel war allerdings nicht nur die schöne Hauptstadt von Österreich, sondern das Miterleben der Maifeierlichkeiten in einer Stadt, die seit 1919 – mit Ausnahme der Zeit des Bürgerkriegs und des Austrofaschismus – immer von der SPÖ regiert wurde, mit anderen Worten eine Reise ins Rote Wien.

In Wien trafen wir eine große Reisegruppe, die mit dem SPD-Reiseservice aus Berlin zu eben diesem Zweck gekommen war, und zwar in Begleitung von Claus Wilm, dem Geschäftsführer des Reiseservice. Gemeinsam konnten wir uns als gern gesehene Gäste der SPÖ fühlen. So waren wir am Abend vor dem 1. Mai in den Festsaal des Rathauses zum traditionellen Bürgermeisterempfang für die Alt-Jungsozialisten eingeladen. In dem wunderschönen Repräsentationssaal war Platz für Hunderte von Gästen (sicher über 800) an weiß gedeckten Tischen, auf denen Vasen mit roten Nelken standen. Ein Klavierspieler und eine Sängerin führten mit Liedern aus der Arbeiterbewegung durch das Programm, von denen wir viele mitsingen konnten. Manchmal stutzten einige von uns und meinten, dass wir bei einigen Liedern bestimmte Strophen nicht singen würden, die würden nur von den Kommunisten gesungen. Doch Kommunisten spielten in Österreich nie eine Rolle. Es wurden etliche Reden gehalten, in denen auf die bisherigen Errungenschaften der Forderungen zum 1. Mai hingewiesen wurden, denn der 1. Mai wurde in Österreich bereits seit 122 Jahren begangen. Der Bürgermeister Michael Häuptl, der schon seit 18 Jahren dieses Amt innehat, betonte, dass auch in Österreich 2013 gewählt würde, und er rief: „Helft alle mit, wir wollen nicht wieder eine reaktionäre Regierung!“

An uns deutsche Gäste wandte er sich mit den Worten:
„Wir wollen unseren deutschen Freunden einmal zeigen, wie man’s macht, nämlich den Maifeiertag gebührend zu begehen.“

Und das erlebten wir dann auch. Im Anschluss an diesen Empfang konnten wir an dem Fackelzug teilnehmen, den die österreichischen Jusos veranstalteten. Allerdings waren viele von uns erschöpft von diesem langen Tag in Wien bei über 30° C, warfen nur einen Blick auf den Fackelzug und fuhren ins Hotel zurück. Denn am nächsten Morgen ging es früh wieder los für die, die mit demonstrieren wollten. Die anderen fuhren direkt zum Rathausplatz. Die ganze Stadt war rot-weiß geflaggt; der 1. Mai ist zugleich Staatsfeiertag in Österreich. Vor dem Rathaus war eine große Bühne aufgebaut, geschmückt mit den Transparenten der Mai-Losungen: 'Der Wiener Weg – sozial-gerecht-demokratisch' und 'SPÖ- für mehr Gerechtigkeit'.

Zu beiden Seiten gab es Tribünen, wo für die SPD entsprechende Ehrenplätze reserviert waren. Ausreichend mit Mineralwasser gegen den Hitzetag ausgestattet, konnten wir von dort den Aufmarsch der vielen Züge aus den verschiedenen Bezirken Wiens beobachten, der dauerte über zwei Stunden. Aber es war unterhaltsam, die unterschiedlichen Gruppen zu erleben.

Es kamen Gewerkschaftsgruppen der SPÖ (die Gewerkschaften in Österreich sind Teil der verschiedenen Parteien) mit ihren Transparenten, aber auch Stadtteilbewohner, zum Teil in der Nationaltracht ihrer ursprünglichen Heimatländer, mit Forderungen auf ihren Plakaten, Berufsverbände in entsprechender Kleidung, die für ihre Belange warben, so z. B. Lehrer in roten T-Shirts mit dem Aufdruck: „It all starts with a good teacher" und Vertreter des Krankenhauspersonals, das Aktivit Forte Dragees verteilte mit dem Wirkstoff „Betreuungszeit zur Senkung des Arbeitsdrucks im Gesundheitssystem“; rote Luftballons stiegen in den blauen Himmel auf; unterschiedliche Fahrzeuge mit Demonstrierenden fuhren vor, selbst eine Dudelsackgruppe marschierte laut musizierend vorbei. Ein höchst eindrucksvolles Spektakel! Jede Gruppe wurde über die Lautsprecheranlage angekündigt und mit Applaus begrüßt. Wann konnte man Vergleichbares in Hamburg erleben?

Manche der späteren Redner waren in ihren entsprechenden Zügen mitmarschiert und standen nun in der prallen Sonne auf der Bühne. Wir litten bereits unter der Sonne, aber die Redner trugen ihre Jacketts weiterhin – also hemdsärmelige Reden gab es nicht. Der Bürgermeister begann seine Rede mit den Worten: „Einige Leute mögen fragen, ob es eigentlich noch zeitgemäß ist, am 1. Mai zu demonstrieren. Die eindrucksvolle Menge der Teilnehmer, die heute hier erschienen ist, ist darauf eine deutliche Antwort." Eine Schätzung nannte die Anzahl von 15 000. Wir erfuhren in den verschiedenen Reden Einzelheiten zu diesem ‚Wiener Weg’, dass nämlich z. B. die Kindergartenplätze für alle kostenlos sind, dass es nur 6,6% Arbeitslose gab (immer noch zu viele) und dass mehr Solidarität zu zeigen ein oberstes Gebot ist. Da der Gruß unter Genossen in Österreich stets „Freundschaft“ ist und dies keine Gewerkschafts-, sondern eine Parteiveranstaltung war, endete die Kundgebung mit einem kraftvollen „Freundschaft“. Zum Abschluss stimmten alle Anwesenden die ‚Internationale’ an und sangen hinterher das uns unbekannte ‚Lied der Arbeit’, das als Hymne der österreichischen Sozialdemokratie gilt.

Den Nachmittag verbrachten sehr viele Wiener im Prater, wo es ein buntes Programm für alle gab. Wir bestaunten das am Riesenrad angebrachte Transparent der SPÖ, das wir bereits vom Rathaus kannten und das hier weithin sichtbar war.

So viel zum interessanten Ablauf des 1. Mai.

An den anderen Tagen unseres Aufenthalts waren wir zu weiteren interessanten Unternehmungen gestartet. Österreichische Genossen führten uns bei einer Stadtrundfahrt und bei einem ausführlichen Stadtrundgang, die uns jeweils mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und zugleich der Geschichte der Stadt bekannt machten. Wir besichtigten das Rathaus und saßen im Landtagssitzungssaal; wir wurden durch das Parlamentsgebäude (dem Baustil nach ein Tempel der Demokratie) geführt und im Nationalratssaal von der Nationalratspräsidentin, der Genossin Prammer, begrüßt. Außerdem machte uns eine weitere Stadtrundfahrt bekannt mit den historischen Stationen des 'Roten Wien', nämlich mit dem Gebäude des Vorwärts, in dem sich heute außer Archiven auch ein Gedenkraum für den Begründer der SPÖ, Victor Adler, befindet; mit dem Arbeitervereinshaus in Favoriten, dem größten SPÖ-Bezirk Wiens mit einer Ausstellung historischer Parteiplakate; und wir sahen die vielen kommunalen Arbeiterwohnhöfe, die für die rasant gewachsene Bevölkerung, die in primitivsten Verhältnissen gelebt hatte, zwischen den Kriegen gebaut worden waren, z. B. der riesige Karl-Marx-Hof, der Platz für 1000 Wohneinheiten bot und ein wenig an die Bebauung in der Jarrestadt erinnerte.

Auch den Zentralfriedhof besuchten wir, wo sich die berühmten Ehrengräber für viele Musiker, Schriftsteller und Politiker befinden.

Neben all diesen politisch bewegenden Eindrücken blieb noch Zeit für individuelles Erkunden der Stadt. Mit einer Wochenkarte des öffentlichen Nahverkehrs waren wir beweglich und konnten bequem z. B. in ein Mozartkonzert fahren, zum Schloss Belvedere, wo es berühmte Bilder des Malers Gustav Klimt zu bewundern gab, zum berühmten Hundertwasser-Haus, zum Naschmarkt, zum Stephansdom oder zu einer Fiakerstation, um von der Kutsche aus die Sehenswürdigkeiten an uns vorbeirollen zu lassen.

An den letzten Tagen der Reise war das Wetter etwas kühler geworden; nach vier Tagen blauem Himmel und über 30° C waren wir nicht allzu traurig darüber. Traurig waren wir, Wien verlassen zu müssen, es hätte noch viel zu sehen gegeben, und es gäbe auch noch vieles zu berichten, aber zusammenfassend lässt sich wiederholen, was wir bereits am ersten Tag von unserer Stadtführerin erfuhren:

Wien ist sicher, Wien ist sauber, Wien ist sozial, Wien ist voller Kultur, Wien ist lebenswert, Wien ist rot!            

Wir danken Gerhard Lein ganz herzlich, dass er diese interessante Reise für uns organisiert hat. Es gab schon vorsichtige Anfragen und Anregungen wegen einer Reise im nächsten Frühjahr und wir hoffen sehr, dass er darauf eingehen wird und wir dann eine weitere Metropole Europas politisch und kulturell erkunden können.

Termine

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23. November - 23. Dezember

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